Die Täter-Opfer-Umkehr im Israelkonflikt

Es wird leider immer wieder versucht in der Frage des Nahostkonfliktes Israel / Palästina eine Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben und vor allen Dingen wird versucht, die wahre Verhältnismäßigkeit der Kräfte hier zu verschleiern.

Was bei der ethnischen Säuberung Palästinas 1948, der Nakba, vorliegt, ist ganz klar und wie so oft, eine aggressive Handlung durch ein militärisch weit überlegenes Israel, bzw. fanatische zionistische Milizen, die eine ethnische Säuberung betrieben, da sie das Land für sich in Anspruch nehmen wollten. Das die Gegenseite sich -wehrt- ist keine Frage, allerdings muss klar sein, wer hier der Aggressor ist. Wer ein Kolonial- und Nationalstaatsprojekt wie aus dem vorletzten Jahrhundert durchsetzt. Dort liegt auch seine Planung begründet. Die Palästinenser sind hier die Opfer, auch wenn einige von ihnen zu den Waffen greifen, oder sich in unzulässiger Weise wehren.

Tatsächlich ist das Recht auf Notwehr völkerrechtlich legitimiert, gegen Apartheid und Unterdrückung, Besatzung und Angriffskriege. Leider wehren sich auch einige Opfer in Verzweiflungstaten. Vergleicht man jedoch die Opferzahlen, was man in diesem Fall leider auch wirklich tun muss, sieht man etwa das in Gaza 2014 über 2,200 Palästinenser während einer Invasion von Aussen ermordet worden sind, Drei Viertel davon Unbewaffnete, Alte, Frauen, ein Viertel davon sogar Kinder.

Die Human Rights Watch hat gefordert Israel für diese über 500 getöteten Kinder auf die Liste der Schande setzen zu lassen. Im Gegenzug wurden etwa 70 Israelis getötet, fast ausschließlich Soldaten während ihrer eigenen Invasion von Gaza. DAS ist die reelle Verhältnismäßigkeit die sich überall widerspiegelt, von den frühesten Konflikten bis heute, die Israelis veranstalten ein Massaker nach dem anderen an den Palästinensern da -sie- die militärische Macht in diesem Land stets inne hatten.

Es gibt zu verurteilende Messerattacken etwa oder Anschläge von radikalisierten Verzweiflungstätern – aber das ist nicht gleichzusetzen mit dem systematischen Terror von Unterdrückung, Belagerung, Vertreibung, Besatzung und tagtäglicher Ermordung durch einen Apartheidsstaat.

Links dazu:

1. https://www.youtube.com/watch?v=8LIPGTwjHpU

1. Link: Bei dem Video im ersten Link handelt es sich um einen Vortrag des jüdischen Israeli Miko Peled, Sohn des israelischen Generals Peled, welcher 1947 persönlich als einer der 40,000 zionistischen Milizionäre bei der ersten ethnischen Säuberung und Landnahme durch die Kräfte der Hagana und Palmach teilgenommen hat. Darin werden unter anderem die Mythen der nationalen israelischen Geschichtsschreibung von ´47 und ´67 entlarvt, diese Sicht deckt sich auch mit den Berichten der Vertriebenen und unabhängigen Beobachtungsorganen, sowie den Sitzungsprotokollen der israelischen Generäle und den Informationen aus den öffentlich zugänglichen Tagebüchern des ersten israelischen Premierministers, David Ben-Gurion.

2. https://www.ochaopt.org/documents/annual_humanitarian_overview_2014_english_final.pdf

2. Link: Der zweite Link ist der alljährliche Bericht des UNO-Büros der Vereinten Nationen zur Koordination humanitärer Angelegenheiten im besetzten palästinensischen Territorium, aus dem meine aktuellen Zahlen stammen.

3. http://interactive.aljazeera.com/aje/PalestineRemix/maps_main.html

3. Link: Auf der „Adobe Muse Website des Tages“ namens Palestineremix im dritten Link kann man sich unter dem Menüpunkt Maps selbst einen Eindruck von den Abläufen der ethnischen Säuberung und Besetzung des historischen Palästina machen. Die erste Flash-Grafik zeigt die palästinensischen und israelischen Bevölkerungszahlen, deren Ansteigen oder Absinken, sowie ihre Bewegungen durch Immigration und Vertreibung über die Jahrzehnte, des Weiteren wie viel Prozent des Landes wann unter wessen Kontrolle standen. Man kann die Grafik unten rechts pausieren oder die Jahreszahlen im Einzelnen anklicken. Man beachte was um ´47, ´48 und ´67 geschieht und den Kontrast in der Kontrolle über das Land zwischen den beiden Jahren 1917 und 2014. Diese Daten sind akkurat und überprüfbar.

Direkt darunter findet sich ein Flash-Element mit einem Menü, in dem man die 530 Gemeinden die 1948 zerstört worden sind im Einzelnen näher betrachten kann, ihre Lage, Größe, das Entvölkerungsdatum, die Ursachen der Entvölkerung (üblicherweise Vertreibung durch, oder Flucht vor zionistischen Streitkräften), ob ein Massaker durch die UN registriert worden ist, die ursprüngliche arabische Bevölkerung und die 2008 registrierte Anzahl an Flüchtlingen aus dieser Gemeinde, des Weiteren das Ausmaß ihrer Zerstörung. Meist blieben nur Trümmer zurück oder sie wurden vollständig vernichtet, einige wurden zum Teil von einer jüdischen Bevölkerung besiedelt. Auch diese Daten sind akkurat und überprüfbar.

 

Ein Appell von Israels Linker

In diesem offenen Brief kann man den Appell der israelischen Linken an die Genossen aus Deutschland, die deutsche Linke zu der auch viele Befürworter der aktuellen israelischen Politik sich zählen, lesen bzw. hören (nicht von mir gesprochen). Mehr als 100 prominente israelische AktivistInnen fordern darin als Voraussetzung für die Durchsetzung einer friedlichen und solidarischen Lösung des Konflikts in Israel / Palästina eine solidarische und linke Politik. Unter den UnterzeichnerInnen, die in Dutzenden verschiedenen Organisationen und Initativen aktiv sind, sind die Professoren Yehuda Shenhav und Gadi Elgazi von der Universität Tel Aviv, der Filmregisseur Udi Aloni, feministische AktivistInnen der israelischen Frauenkoalition für Frieden wie Eilat Maoz und Inna Michaeli, KriegdienstsverweigerInnen wie Matan Kaminer und Hagai Matar und KämpferInnen für soziale Gerechtigkeit wie Reuven Aberjil und Einat Podjarni:

 

Das Konstrukt des sekundären Antisemitismus

Menschenrechtler wie Nelson Mandela und Kofi Annan von der UNO wären, wenn man der Argumentation des sekundären Antisemitismus folgen würde, also Rassisten weil sie den Staat Israel in seiner Politik kritisierten. Soll das ein Scherz sein? Dieser Begriff wird völlig von seiner ursprünglichen Bedeutung, dem Bezug zu Judenhass und Holocaust losgelöst und dem Holocaustgedenken wird damit Unrecht getan.

Professor Moshe Zuckermann, Soziologe von der Universität Tel Aviv, beschreibt in untenstehendem Interview als was für eine Ungeheuerlichkeit er es empfindet als Jude, als Israeli und als Nachkomme von Holocaust-Überlebenden ausgerechnet von Deutschen aus Deutschland als Antisemit bezeichnet zu werden, für seine Kritik an seinem eigenen Staat.

Man spuckt damit auf die Opfer des Nationalsozialismus in seiner Familie. Wer gibt Menschen das Recht dazu die jüdischen Nachkommen und sogar noch lebende Opfer des Antisemitismus der Nationalsozialisten als Antisemiten zu beschimpfen? Das ist der groteske Auswuchs dieses Konstruktes. Jetzt muss man schon die Opfer der Shoah davor schützen?

Und es zeigt das es überhaupt nicht mehr um die Juden oder den Holocaust geht, sondern nur darum eine Ideologie zu schützen und bei manchem die eigene Identität, wenn man die Aussage macht das jeder der Israel kritisiert sekundären Antisemitismus betreibe. Es geht manchem dabei nur noch um die eigenen Befindlichkeiten und das eigene Selbstverständnis als Deutscher. Dafür nimmt man es in Kauf als Deutscher auch jüdische Opfer der Nazis als Antisemiten zu bezeichnen. Dies halte ich für in höchstem Maße fragwürdig.

Das Feindbild solcher Menschen sind nicht Antisemiten. Ihr Feindbild sind KRITIKER an einer Ideologie und dem womit sie sich zu solidarisieren versuchen – der POLITIK eines Staates, nichts Anderes. Nicht einmal die Opfer des Holocaust sind dabei davor noch sicher. Diese muss man sogar vor ihnen schützen! Mancher missbraucht als Deutscher den Holocaust als Schutzschild und Waffe.

Hier ist ein Video des oben erwähnten Prof. Moshe Zuckermann, jüdischer Israeli und Professor der Soziologie an der Universität Tel Aviv in Israel, über die Legitimation von Israelkritik und Antisemitismusvorwürfen, sowie das Konstrukt des sekundären Antisemitismus und was von Menschen zu halten ist die unkritisch solidarisch zu Israels Verbrechen stehen und es noch dabei bestärken sich in eine unmögliche Position zu manövrieren. Sekundärer Antisemitismus liegt nur dort vor, wo ein Rassismus zugrunde liegt und er hat Nichts mit richtiger und notwendiger Kritik an der Politik eines modernen Staates zu tun, der an jeder Stelle Völkerrecht und Menschenrechte verletzt.

 

Advertisements