„Israelfreunde“ schlechter informiert oder desinformiert, geringere Achtung vor den Menschenrechten, Befürwortung von Gewalt, größerer Rassismus und sogar Antisemitismus als

„Palästinafreunde“, die pazifistisch eingestellt, menschenrechtsorientiert, besser informiert und die Mehrheit sind.

„Rechte“ würden nichts gemeinsam mit Palästinensern machen und haben wie die Israelfreunde einen größeren Rassismus gegen arabischstämmige Mitmenschen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Schleswig-Holstein, ehemals Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Prof. der Psychologie, Dr. Rolf Verleger: Die Frage, ob und wie Antisemitismus und Kritik an Israels Politik in der deutschen Bevölkerung zusammenhängen, ist das zentrale Thema dieser 2010 durchgeführten und jetzt als Buch veröffentlichten Studie.

Untersucht wurde eine große repräsentative Stichprobe mit einem gängigen „Antisemitismus“-Fragebogen, dann aber auch mit Fragebögen zur Einstellung zum Zionismus und zu Israel und schließlich – das ist das Besondere an der Studie – auch noch mit Fragen zu weiteren Bereichen: Einstellungen zum Islam, zu Menschenrechten und Gewalt, Krieg und Frieden, Kenntnisse und persönliche Verbundenheit zu Israel und Palästina. Aus gemeinsamen Antwortmustern auf all diese Fragen bildeten sich drei Gruppen heraus – aus insgesamt 90 Prozent der Stichprobe; die Meinungen der restlichen 10 Prozent zu diesen Fragen ließen sich nicht einordnen:

„Rechte“ – 26 Prozent der Stichprobe – haben konsequent und durchgängig Vorbehalte gegen Zionismus und Juden, und ungefähr genauso stark auch gegen die Palästinenser und den Islam. Sie halten relativ wenig von Menschenrechten, haben mäßige bis wenige Kenntnisse des Nahostkonflikts und beziehen in diesem ihnen nicht sehr wichtigen Konflikt eher Partei für Palästina als für Israel.

„Israelfreunde“ – 26 Prozent der Stichprobe – nehmen Partei für Israel und befürworten zumeist auch die Anwendung von Gewalt gegen die Palästinenser. Ihre Kenntnisse und ihre persönliche Betroffenheit durch den Konflikt liegen im mittleren Bereich, ebenso ihre Werte auf den Antisemitismusskalen – selbstverständlich niedriger als die der „Rechten“.

„Palästinafreunde“ – 38 Prozent der Stichprobe – nehmen überwiegend Partei für Palästina, sind überwiegend pazifistisch eingestellt, und liegen bei den Vorbehalten gegen Juden, Palästinenser und Islam deutlich niedriger als die „Israelfreunde“. Sie halten generell die Menschenrechte hoch und haben die größten Kenntnisse des Konflikts.

Habe ich Sie richtig verstanden: Die, wie Sie sie nennen, „Israelfreunde“ sind laut den Befragungen antisemitischer als die „Palästinafreunde“?

Prof. Dr. Rolf Verleger: In der Tat scheint mir manchmal bei den „Israelfreunden“, die ich kenne – vor allem Politiker, wie sie in den Medien auftreten – auch ein Philosemitismus mitzuschwingen, der insofern dem Antisemitismus gleicht, als dass er „die Juden“ als eine besondere, einheitliche Gruppe ansieht, denen die deutsche Politik verpflichtet sei, sodass auch Israel zu „schützen“ sei.

Es ist dann nicht immer unbedingt klar, dass ein jüdischer Israeli genauso viel wert ist wie ein Palästinenser; bei Hitler wären die Juden weniger wert gewesen, heute scheinen sie mehr wert zu sein. Das heißt: Man kann den Blick dafür verlieren, dass alle Menschen gleiche Rechte haben…“

12112123_1494182247576183_2439657968480947010_n.jpg

Link zum vollständigen Artikel bei heise und zu der Studie:

https://www.heise.de/tp/features/Philosemitismus-ist-keine-Antwort-auf-die-Probleme-in-Nahost-3373905.html

Solidarität aus Irland von Finian Cunningham aus Belfast:

Solidarität aus Frankreich von Jeunes Anticapitalistes, mit Chorus von Emel Mathlouthi. Emel Mathlouthi ist eine tunesische Songschreiberin, die am bekanntesten für ihre Protestsongs „Ya Tounes Ya Meskina“ und „Kelmti Horra“ ist, welche zu Hymnen der Tunesischen Revolution und der Ägyptischen Revolution von 2011 wurden.

Advertisements